Vom Einstieg ins Ölgeschäft und einer Pücklerliebe auf den zweiten Blick

Vom Einstieg ins Ölgeschäft und einer Pücklerliebe auf den zweiten Blick

Wie René Schulze nach einem Verlust zuerst bei mehr Gesundheit und dann im Ölgeschäft landet, auf den zweiten Blick die Liebe zur Pücklerstadt entdeckt und von hier aus schließlich mit neuen Maschinen das Ölgeschäft weltweit ankurbelt.

Manchmal braucht es einen zweiten Anlauf. Bei René Schulze war es gleich in zweierlei Hinsicht so. Der gelernte Kaufmann missionierte einst beruflich als Botschafter der Dänen Deutschlands Einzelhandel und verband mit der Cottbuser Provinz lediglich den Wunsch nach schneller Abreise. Heute ist die Pücklerstadt für ihn das denkbar schönste Zuhause und er selbst ist mit einzigartigen Maschinen längst zu einem ihrer beherzt anpackenden Unternehmer geworden. Eine Familien- und Wirtschaftsgeschichte, die nach traurigem Beginn heruntergeht wie Öl.

Aufgewachsen ist René Schulze in Berlin. Der glücklichen Kindheit folgte ein harter Einschnitt, als er mit nur 16 Jahren seine Mutter an den Bauchspeicheldrüsenkrebs verlor. Tiefe Trauer ging einher mit dem Nachdenken über das Leben und über das, was seiner Mutter hätte helfen können. Diese Zeit prägte ein neues Gesundheitsbewusstsein und ließ ihn vor allem auf die Wirkung von Saat- und Pflanzenölen aufmerksam werden. Eine Verbindung, die wie die Liebe zu seiner Mutter sein ganzes Leben prägen sollte.

Bei der kaufmännischen Ausbildung und dem folgenden beruflichen Aufstieg spielte das aber erst einmal nur eine Nebenrolle. Eine unternehmerische Denke ließ ihn beim Dänischen Bettenlager recht schnell die Karriereleiter hochpurzeln, schließlich war er für Expansionen zuständig. Auch die Pücklerstadt erhielt unter seiner Regie der Dänen hierzulande bekanntestes Exportgut, eine Filiale des Bettenlagers. Viel wichtiger wurde aber eine andere Verbindung in seine künftige Heimat: er verliebte sich in eine Cottbuserin. Das junge Paar eroberte eher das urbane Berlin, Familienbesuche am Cottbuser Stadtrand weckten in René Schulze wenig Empathie für das provinziell anmutende Örtchen. So zog es die zwei in jungen Jahren auch erst einmal in die Ferne, nach Bonn an den Rand des Ruhrpotts. Hier begann der Einstieg ins Ölgeschäft.

Für René Schulze gehörten gesunde Ölprodukte seit seinen späten Jugendjahren einfach dazu. Er war inzwischen ein Experte für Zutaten und Herstellungsverfahren. Die gewohnte Qualität aus natürlicher Erzeugung konnte er nach dem Umzug in Bonn aber nirgends finden. Kurzum bestellte er eine eigene Ölmühle und wurde im Keller des Wohnhauses erstmals zum Ölmüller. Seinerzeit gab es nur Maschinen für größere gewerbliche Produktionsmengen, sodass jeder Ausflug in den Keller nach einer Versorgung der Familie auch noch die Tiefkühltruhe randvoll mit Vorrat füllte. Es war sein Bruder, der als Programmierer und Webdesig-
ner in dieser Zeit den Impuls für einen Onlineshop lieferte. So gründete René Schulze das Label „Oelfreund“, eigentlich als kleiner Nebenerwerb gedacht.

Als sich dann Nachwuchs andeutete, verlor das stets graubedeckte, hektische Bonn plötzlich an Attraktivität und die von Spreewald und Natur gerahmte Pücklerstadt mit meist blauem Himmel wurde zum Sehnsuchtsort. Die bereits ansehliche Ölproduktion kam samt Zuhause für die kleine Familie in einem alten Dreiseitenhof am Cottbuser Stadtrand unter. Und hier hatte René Schulze dann die zündende Idee, die ihn endgültig Abschied vom lukrativen Job im Handelsmanagement nehmen ließ und vom Ölmüller auch noch zum Maschinenbauer machte. Auf exklusive und kleine Produktionsmengen ausgerichtet, sorgten die herkömmlichen Ölmühlen einfach für zu viel Reinigungsaufwand und Abfallstoffe. Er suchte nach Alternativen – und fast schicksalhaft meldete sich genau in dieser Phase ein Hamburger Zerspanungsbetrieb mit dem Angebot, Ersatzteile für Ölmühlen herzustellen. Gemeinsam konzipierten sie die erste Ölmühle mit einer Presseinheit aus gehärtetem Edelstahl, in der Hoffnung, über den eigenen Bedarf hinaus vier bis fünf Maschinen pro Jahr verkaufen zu können. Nach zwei Jahren funktionierte das kleine Wunderwerk, das war im Jahr 2017. Bruder Sven sorgte wiederum für eine Webseite – und das große Staunen begann. Seit 2018 lieferte das neue Unternehmen „Oelwerk“ bereits rund 250 Maschinen in alle Welt, überwiegend nach Asien und Afrika. Die Komponenten werden von Partnern gefertigt und in der Cottbuser Manufaktur unter den goldenen Händen von Monteur Matthias zusammengefügt. Hier wurde auch der Showroom eingerichtet, in dem fast wöchentlich für Kunden Schaupressungen stattfinden. Viele kommen aus dem Ausland hierher, vier Afrikaner reisten einmal mit einem Kofferraum voller Erdnüsse an, ein Neuseeländer verband die Vorführung mit einem Spreewaldurlaub. Inzwischen produziert des Oelwerk eine kleine Modellpalette, vertreibt Olivenölpressen und ist in diesem Jahr sogar für den German Innovation Award nominiert.

Wenn die Dynamik aus Manufaktur und Ölvertrieb doch einmal etwas Zeit lässt, führen den Jungunternehmer Spaziergänge mit seiner Familie oft zu Pücklers grünen Pyramiden in Branitz. Entdeckt hat er sie erst, als er bereits ein Jahr in Cottbus lebte. So erstaunt wie er über Pücklers geniale Gartenkunst, sind wir über unsere Entdeckung dieses hidden champion in einem gesunden, nachhaltigen Ölgeschäft.

www.oelwerk.com

www.oelfreund.de 

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