Ein Stehaufmännchen aus Moldawien

Ein Stehaufmännchen aus Moldawien

Wie Igor Melamud vom Straßenfeger zum Online-Verkaufshit wurde und nach Wie Igor Melamud vom Straßenfeger zum Online-Verkaufshit wurde und nach einem Tief schließlich mit sprichwörtlichem Fleiß anderen die Wege ebnet.

Als es Igor Melamud 2001 nach Cottbus verschlug, kannte er weder die Stadt noch Pückler. Als 19-jähriger verließ er die junge, zwischen Rumänien und der Ukraine eingezwängte Republik Moldawien. Sein Stiefvater ergriff damals die Chance zur Umsiedlung nach Deutschland und nahm die Familie mit. Igor kam ohne Sprachkenntnisse und ohne Vermögen in die deutsche Fremde – dafür aber mit einer gesunden Portion Mut und vor allem einem bewundernswerten Leistungswillen, der später auf eine harte Probe gestellt werden sollte.

Im Jahr 2001 begann seine Karriere in Cottbus erst einmal als Straßenfeger. Bei der Cottbuser Bautec fand er trotz mangelnder Sprachkenntnisse einen Job, in dem er sich um die Sauberkeit im Wohnumfeld kümmerte. Bereits nach seiner Ankunft hatte er erkannt, dass Sprache und Bildung die Schlüssel zum Erfolg sind. Hartnäckig trichterte er sich in einem Deutschkurs nach dem nächsten das anfangs schwierige Deutsch ein, für einen Intensivkurs zog er sogar ein halbes Jahr nach Berlin. Das Lernpensum war enorm, sein Lohn die folgende Annahme zum Fachabitur auf dem Cottbus Colleg. Da von seinen einst elf Schuljahren in Deutschland nur neun anerkannt wurden, musste er fürs anvisierte Studium noch einmal auf die Schulbank. Zwischendurch und währenddessen hielt er sich immer wieder mit Jobs als Paketzusteller oder in Supermärkten über Wasser. Das war auch beim folgenden Studium an der Hochschule Wildau nicht anders, der Studienwoche folgten stets Wochenendjobs in Berlin. Als studierter Betriebswirt samt Vertiefung Internationales Marketing glaubte er sich am Ziel, aber alle Bewerbungen liefen ins Leere. So startete er im Jahr 2010 mit den damals 100 verfügbaren Euro und dem Glauben an sich selbst in die Selbständigkeit – auf ebay mit seinem Shop „Dealer aus Cottbus“. Er kaufte Restposten und vertrieb sie gut inszeniert online weiter. Den Anfang machte Handyzubehör, gefolgt von Markengeschirr. Dankbar erinnert er sich an die Unterstützung der Arbeitsagentur, die in den ersten Monaten seinen Lebensunterhalt weiter zahlte und so das Experiment Selbständigkeit ermöglichte. Von da an ging es anfangs treppchenweise und später rasant bergauf. 2012 wurde das erste Lager mit ca. 100 m2 im TKC angemietet, im selben Jahr wurden daraus 500 m2, die sich bis 2015 auf eine Fläche von 2.000 m2 für Lager und Versand steigerten. Es war eine Zeit des beständigen Lernens und Optimierens. Zu den Restposten gesellten sich Spielwaren, Gartenartikel, KFZ-Zubehör und tausend andere Dinge. Er investierte in Technik, Regale, Büros und Heizung. Der Fleiß zahlte sich endlich aus. In diesem Moment flatterte eine Räumungsankündigung der Stadt in die heile Welt – der Vermieter hatte die fehlende Brandschutzsicherheit verschwiegen. Mit dem Mut der Verzweiflung überzeugte er eine Bank und erwarb eine Halle in Krieschow, zog in nur einem Monat um, investierte weiter und wuchs auf 3.000 m2 Fläche mit zwischenzeitlich 22 Mitarbeitern. Dann kam der erste Dürresommer und das Geschäft brach ein. Er stemmte sich gegen den Trend, aber der teure Umzug, doppelte Investitionen, überbordende Personalkosten und ein zweiter Dürresommer brachten das Unternehmen immer wieder in Schieflage. All das hätte er bewältigt, verließ sich aber auf den falschen Steuerberater. Als es fast zu spät war, fand er mit Dr. Cattien & Partner und Steuerberaterin Simone Paschke endlich die richtigen Experten, die ihm aus einer Planinsolvenz heraushalfen und mit Dr. Butze sogar einen Investor, der die Halle in Krieschow erwarb und dem umtriebigen Moldawier einen Neustart ermöglichte.

Im Sommer 2019 hatte die Odyssee endlich ein Ende. Heute ist er Mieter in seinem einstigen Firmensitz, auf dem immer noch sein zur starken Marke gewordenes www.4u-onlinehandel.de prangt. Im Onlinehandel bäckt er heute kleinere Brötchen, baut aber parallel ein Baugeschäft für Garten- und Landschaftsbau auf. Wer im Wohnumfeld auf ein Unternehmen mit Loyalität und Fleiß setzen möchte, ist bei ihm richtig. Es passt zu seiner Mentalität als Stehaufmännchen, dass seine Firma „harnic GmbH“ heißt, denn harnic stammt aus dem Moldawischen und bedeutet fleißig. Inzwischen hat er wiederum drei Arbeitsplätze geschaffen, zwei weitere Kollegen arbeiten in Teilzeit. Es ist eine schöne Parallele zum Start in Cottbus 18 Jahre zuvor, dass der einstige Straßenfeger nun selbst Straßen baut und anderen die Wege ebnet.

Igor Melamud ist längst Cottbuser geworden. 2007 lernte er seine Frau im Heimaturlaub kennen. Ein Jahr später folgte die Hochzeit, dann folgte sie ihm nach Cottbus, heute leben sie mit zwei Kindern glücklich im grünen Vorort Branitz. Ein drittes Kind wird im Frühjahr 2020 das Licht der Welt erblicken. Es ist schon verrückt, wie sehr hier einer ausgezogen ist und nicht müde wird, sein Glück in die eigenen Hände zu nehmen. Das hätte auch Fürst Pückler gefallen, selbst von unschätzbarem Fleiß und ein Seelenverwandter in Sachen Landschaftsgärtnerei. 

www.harnicbau.de 

www.4u-onlinehandel.de 

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